Die Schweigeminute: Dürfen wir Leid verschweigen?

Unser Klassenzimmer liegt direkt neben dem französischen Institut am Berliner Platz. Aktuell direkt neben Blumen, stillen Menschen und einigen Fotos. Ich selbst hatte mir vor dem heutigen Unterrichtstag einige Gedanken zur Schweigeminute um 12 Uhr gemacht. 

Kann ich mit Menschen an die Grausamkeiten in Paris denken, obwohl sie teilweise das Gleiche erlebt haben? Kann ich mit einem guten Gefühl an Paris denken, wenn diese Anschläge für meine Schüler aus Syrien noch mehr Elend im Heimatland bedeuten? Warum ist das Erdbeben in Japan weniger bedenkenswert? Müssten wir nicht eigenlicht durchgehend schweigen? Was bringt das Schweigen überhaupt?

Wir haben entschieden, dass wir diese Schweigeminute offen gestalten. Jeder hat seine Gedanken aufgeschrieben und einige geteilt. Viele haben ihre Überlegungen an die Tafel geschrieben und erläutert. Andere diktiert und die persönlichen Erlebnisse für sich behalten. Manche haben ihre Hände gefaltet, andere die Augen geschlossenen oder die Tafel betrachtet. In der zweiten Reihe beendete einer auf Arabisch und einer mit dem christlichen Vaterunser sein Gebet.

Ich selbst durfte bemerken, dass diese Menschen den Schmerz, die Angst und die Trauer nicht nachvollziehen, sondern wirklich empfinden und empfunden haben. Danach war es meine Aufgabe die Stille aufzuheben und letztendlich war dies für alle die schwerste und wichtigste Sekunde des Tages.

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